Mystik Wilderei – verfolgt, kriminalisiert und bewundert

Wilderei Kopf 160Eine bemerkenswerte Ausstellung brachte uns die damalige Zeit lebhaft nahe.

Am Donnerstag den 20.11. fand in der VHS Donaustadt eine Ausstellungseröffnung der besonderen Art statt. Unter dem Titel „Wilderer in der Lobau“ stellte der Lokalhistoriker Robert Eichert seine „Best of Wilderer-Geschichten“ aus dem Archiv des k.k. Oberjägermeisteramtes vor, durchaus amüsant zusammengestellt, trotz der Ernsthaftigkeit des Themas.

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BR. R. Eichert mit VHS-Dir. H. Schweiger (li)  und mit  Rainer Krispel und Eva Hauk

Karg war in frühen Zeiten der Tisch gedeckt, geprägt durch Missernten und Naturkatastrophen. Brot und Eintopf mit Gemüse war die Hauptnahrung, hin und wieder aufgebessert durch das Fleisch von Tieren, erlegt im nahgelegenen Wald und später dann durch Wilderei. Bis hinein ins frühe Mittelalter hatten die Menschen ja das Recht zu jagen, um sich und ihren Familien Nahrung zu verschaffen.

Wilderei Forschung 14.jpg 640 Erst als der Adel begann, die Jagd als sportliche Herausforderung und als vergnüglichen Zeitvertreib zu erkennen, wurde dieses Recht aberkannt und Hungernde kriminalisiert. Jene adeligen Landesherren, die durch ihre steigende Besitzergreifung von Ländereien und die dadurch bedingte Aushöhlung des „Hohen Rechtes“ auf die Jagd, viele Bevölkerungsschichten dem Hunger und Elend preisgaben, legitimieren dann auch noch Forstbeamte,   die die um das Überleben kämpfenden Menschen mit teilweise drakonischen Strafen verfolgten. Einige der Ausstellungstafeln geben davon Zeugnis ab und, so bitter es für die Betroffenen auch war, so sorgte das damals schon verwendete Beamtendeutsch und manche der beschriebenen Vorgänge für trauriges Amüsement bei den Zuhörerinnen.

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Wie unterhaltsam diese Niederschriften sind wurde von Rainer Krispel  mit seiner die Ausstellung begleitenden Lesung unter Beweis stellen. Günter Blumauer, freischaffender Künstler, ergänzte den Abend künstlerisch mit seinen Plastiken und Bildern aus Materialen wie Stahl, Stein, Holz, Bitumen, Plexi und Knochen.

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Was hat sich dann in der Neuzeit geändert: Wohl wurde 1948 das Jagdprivileg des Adels abgeschafft, der Tatbestand der Wilderei allerdings belassen. Den Adel ersetzt heute das Kapital. Für das Vergnügen Tiere zu töten zahlen finanzkräftige Personen – aber auch Unternehmen – Beträge im fünfstelligen Bereich, die anderswo (z.B. zur Bekämpfung des Welthungers) besser eingesetzt wären.

Artikel von Astrid Fadler (Presse) über die Wilderei: Der Krieg um den freien Wald.

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