Einige Erinnerungen an Freda Meissner-Blau, gestorben am 23.12.2015

Nach einem erfüllten Leben, das auch Talfahrten kannte, starb sie im Alter von 88 Jahren. Sie war nicht nur eine Anti-Atomkämpferin der ersten Stunde, kämpfte nicht nur gegen das Kraftwerk Hainburg, sondern sie war auch eine der Pionierinnen der sich formierenden Grünbewegung.

Mit ihr verloren wir eine engagierte Mitstreiterin für die Natur und eine Frau, die es sich bis zuletzt zur Aufgabe gemacht hatte, ihre Stimme gegen Militarismus, Ungerechtigkeit, Dummheit sowie reines Profitdenken zu Lasten von Mensch und Umwelt  zu erheben. Freda war mir, seit wir uns anlässlich des Zusammenschlusses der diversen Grünbewegungen und dann speziell im Kampf um die Unversehrtheit der Hainburger Au näher kennen lernten, immer wieder Beraterin, Gesinnungsfreundin und politisches Vorbild.

  OLYMPUS DIGITAL CAMERAV.li.: Demo 2003 gg. die Lobauautobahn und bei einer einwöchigen Veranstaltung 1990  im Wittgensteinhaus – organisiert von Charlotte Weinmann (Künstler für die Au).

Sie lehrte mich die richtige Atemtechnik, um meine Aufregung vor meinen ersten Podiumsdiskussionen und Pressekonferenzen in den Griff zu bekommen. Sie gab mir Ratschläge bei der Organisation von Demonstrationen. Sie rettete Günther Nenning und mich aus den Klauen der Parlamentssicherheitswache, die uns nach einer Protestkundgebung auf der Galerie inhaftierte und vieles, vieles mehr.

Natürlich gab es auch Differenzen, was bei der damaligen Vielfalt an Aktionen, Demonstrationen, Veranstaltungen, die wir anlässlich ihrer Kandidatur zur Präsidentschaftskandidatin und im darauf folgenden Wahlkampf organisierten, unausweichlich war. Aber sie hatte die Gabe, Unstimmigkeiten direkt anzusprechen, diese auszuräumen – sie war eine Freundin klarerWorte, dafür bewunderte ich sie.

Bewundert habe ich sie auch wegen ihres analytischen Verstandes und ihrer Fähigkeit, in kurzen Sätzen die Dinge beim Namen zu nennen, Vorschläge, Programmideen usw. auf den Punkt zu bringen. Auch ihre jugendliche Begeisterungsfähigkeit war eine ihrer Pluspunkte. Unvergesslich, wie sie uns – nach dem Achtungserfolg bei ihrer Kandidatur zur Bundespräsidentin – vor Freude hüpfend und tanzend am Ballhausplatz entgegenkam.

Nach der Zurücklegung ihres Abgeordnetenmandates bei den Grünen im Jahre 1988 blieb sie der Bewegung verbunden, was auch Kritik miteinschloss. Auch ich hatte mit ihr immer wieder persönlichen und telefonischen Kontakt, wobei sie sofort zur Stelle war, wenn Notwendigkeit bestand – wie (u. A.) bei der Mahnwache gegen die Lobauautobahn, diversen Pressekonferenzen sowie Aktionen, die wir gemeinsam mit Bürgerinitiativen organisierten. Obwohl ich sie nicht als Feministin bezeichnen möchte, war sie von der Wichtigkeit einer absoluten Frauen-Gleichberechtigung überzeugt und sie stand dem Einsatz verschiedener diesbezüglicher Initiativen mehr als positiv gegenüber.

Freda Stopfenreuth 1     

V. li.: IGS-Ausflug im Juni 2013  und Freda bei der Präsentation ihrer Biografie Okt. 2014

Bei ihrer Buchpräsentation im Oktober 2014 traf ich sie ein letztes Mal. Sie wirkte lebhaft, sah gut aus und freute sich sichtlich, wie sie mir versicherte, mich nach längerer Zeit wiedermal zu sehen. Den von ihr gewünschten kleinen Ausflug nach Breitenlee, in das Gebiet des zukünftigen Wienerwald-Nordost/Norbert-Scheed-Wald, musste sie allerdings zu ihrem Bedauern absagen, da sie kaum außer Haus mehr ginge, wofür sie mich um Verständnis bat.

Vielen die sie kannten wird sie lange unvergesslich bleiben und, wie sie selbst oft betonte, hat sie wohl einiges im Laufe ihres Lebens bewirkt, manches davon gerät wahrscheinlich  in Vergessenheit.

Was mit Sicherheit bestehen bleibt sind die durch sie erwirkten atmosphärischen gesellschaftlichen Veränderungen, sie bleiben und mit ihnen die Erinnerung.

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